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Die besten Weine sind seine

Er erfüllte sich den amerikanischen Traum: Aldo Sohm aus Inzing ist in New York Herr über tausend hochkarätige Weine. Der Top-Sommelier war gerade auf Heimatbesuch.

 

 

Innsbruck – Nun spielt er eben in einer größeren Sandkiste. In einer, die Tausende Kilometer von seiner Heimat Tirol entfernt liegt, mitten im New Yorker Stadtteil Manhattan. Statt körnigem Sand sind darin echte Schätze vergraben: feinste Weine. Sandig schmecken die sicher nicht.

Aldo Sohm zählt zu den internationalen Top-Sommeliers und kostet die weltbesten Weine. In seinem Heimatort Inzing fing der 46-Jährige mit einer „kleinen Sandkiste“ an, wie er selbst bei seinem Tirol-Besuch vergangene Woche erzählt hat. „Das Spielzeug ist mehr geworden. Dabei ist es ganz wichtig, die Lust am Spielen nie zu verlieren“, meint er.

Sohm bekommt leuchtende Augen, wenn er von seiner Leidenschaft und Berufung erzählt. Jeden Tag kostet er Wein, sieht seine Farbspiegelungen, riecht die Töne und schmeckt die Nuancen. Dafür reist er jährlich mehrmals rund um den Erdball.

Heute nennt Sohm mehrere „Sandkisten“ sein Eigen: Er arbeitet im New Yorker Drei-Sterne-Gourmettempel Le Bernardin. Rund 1000 Weine hat er hier im Angebot. In seiner 2014 eröffneten, eigenen Wein-Bar, ebenfalls in New York, gräbt er bis zu 250 Weine für seine Gäste aus. „Es gibt keine Grenzen. Utopische Weine sind für mich etwas ganz Normales, damit arbeite ich jeden Tag. Das ist aber nicht normal“, sagt der 46-Jährige. Seine Bodenhaftung will er trotz seines exquisiten Spielzeugs nie verlieren. In den Lokalen gäbe es auch gute Weine unter 100 Dollar.

„Ein großer Wein ist einer, der mich zum Nachdenken bringt, über die Säure, das Tannin, die Frucht“, erklärt Sohm. In seinem privaten Keller in New York bunkert der Herr der Weine noch einmal etwa 500 Flaschen. Wein-Verkosten sei ein permanentes Training, „wie ich einen Marathon nicht ohne Vorbereitung laufen kann“. Deshalb trainiert er auch während seines Heimaturlaubs. In seiner vierten „Sandkiste“, dem Weinkeller bei seinem Vater in Inzing.

Seinen Geschmackssinn treibt Sohm täglich zu Höchstleistungen an. Seinen Körper jeden Sonntag beim Rennradfahren. Denn es brauche „kreative Pausen“. Letzte Woche ging es mit dem Rennrad zwei Mal auf das Stilfser Joch.

Dem Küchenherd konnte er allerdings nichts abgewinnen. „Ich wollte ursprünglich Koch werden, hatte aber zwei linke Hände.“ Als Kellner steckte er dann mit 19 Jahren seine Nase in die Welt der Weine. „Zwei Schweizer Pärchen haben sich immer schon in der Früh auf Mittag- und Abendessen gefreut und darauf, was sie dazu trinken sollen. Da habe ich entdeckt, wie spannend Wein ist“, berichtet Sohm.

Seitdem zieht sich der vergorene Traubensaft wie ein rot-weiß-roter Faden durch sein Leben. Viermal hintereinander wurde Sohm ab 2002 „Bester Sommelier Österreichs“. 2003 arbeitete er noch als Servierlehrer in der Tourismusschule St. Johann. Ein Sprung über den großen Teich und vier Jahre später wurde er „Bester Sommelier New Yorks“. 2008 erfolgte die Krönung: Sohm wurde zum besten Sommelier der Welt gekürt. Seiner Heimat blieb er in all den erfolgreichen Auslandsjahren stets treu.

Zusammen mit dem renommierten burgenländischen Winzer Gerhard Kracher bringt er seit acht Jahren Grünen Veltliner auf den Markt. „Österreichischer Wein hat sich insgesamt wahnsinnig entwickelt und ist in New York konkurrenzfähig. Er ist ein Nischenprodukt und Grüner Veltliner mit kaum einem anderen Land vergleichbar. Dass andere Länder beginnen, Grünen Veltliner zu machen, ist eine Hommage an Österreich.“ Sohm ist sichtlich stolz. Und auch darauf, dass hierzulande die Abkehr von gespritzten Weinen seit Längerem gelungen ist.

Bei der Wein-Auswahl seien die Österreicher noch sehr „österreichkonzentriert. In Amerika und New York ist man offener und kostet, ohne Vorurteile zu haben.“ Das würde Sohm jedem Weinliebhaber empfehlen, wie übrigens auch seine derzeitigen Favoriten: Weiße Burgunder.

Zum TT-Interview hatte sich der Inzinger aber dann doch lieber ein Bier bestellt. Nach einem ganzen Tag Wein-Kosten erfrische ihn das abends am besten, verrät Sohm. Im Wein liegt eben selbst für einen Star-Sommelier nicht immer die Wahrheit.